1364454863_e38e45bbba_tVon Jochen Hoff | Duckhome

Überall kann man es nachlesen. Es gibt keine Klimakatastrophe. Nur das verdammte Eis will einfach nicht mitspielen.

„Die riesigen, an die Eiskappe der Polregion angrenzenden Meere, die Kara-, die Laptew-, die Tschuktschensee sind alle eisfrei. Es ist schockierend, hier zu segeln“sagt Neil Hamilton der Direktor des Arktischen Programms des World Wide Fund for Nature (WWF), der auf der Explorer of Sweden einen Segeltörn durch die Nordostpassage mitgemacht hat.

Zu den Zeiten der Sowjetunion wurde auf der Nordostpassage mit schwersten Eisbrechern ein Schiffsverkehr aufrecht gehalten, der sich aber unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht aufrecht erhalten ließ. Die Nordostpassage galt als praktisch tot, obwohl der Seeweg zwischen Europa und Asien (Rotterdam–Tokio) durch den Suez-Kanal 21.100 Kilometer lang ist, während die Route durch die Nordostpassage nur 14.100 Kilometern beträgt.

Plötzlich macht es Sinn wieder über die Nordostpassage nachzudenken, weil sich der Rückgang des Eises seit Jahren bestätigt. Gleichzeitig gibt es für Russland und die USA aber ein völlig neues Problem. Es müssen Küsten bewacht werden, die bisher durch das Packeis als uneinnehmbar galten. Dieses Problem wird zunehmend akuter.

Der WWF-Vorsitzenden Patrick Hofstetter stellte gerade eine Studie vor, die bestätigt, das die Eisschmelze in und um die Arktis immer schneller wird. Dies ist ein logischer Prozess, da eisfreie Stellen sich schnell erwärmen und damit die Schmelze noch zusätzlich steigern. Gleichzeitig wird im wärmeren Wasser immer mehr Methan aus Methanhydrat freigesetzt:

Auf Forschungen am Schelf James Clark Ross im Nordpolarmeer konnten sie per Echolot-Messungen 250 Methangas-Blasenquellen entdecken, die auf die Erwärmung der Wassertemperatur um ein einziges Grad zurückgehen.
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Man weiß heute, dass Methan unter bestimmten Bedingungen aus Methanhydrat freigesetzt wird. Methanhydrat ist eine eisähnliche Substanz aus Wasser und Methan, die in größeren Meerestiefen in Sedimenten treibt. Unter hohem Druck und niedrigen Temperaturen ist Methanhydrat stabil, was im Meer vor dem Spitzbergen-Archipel derzeit in Wassertiefen von 400 Metern der Fall ist.

Vor 30 Jahren war diese Stabilität jedoch noch bei 360 Metern gegeben. In dieser Zeit hat sich die nach Norden verlaufende Meeresströmung dieser Region um bloß ein Grad erwärmt. Die Entdeckung der Forscher stellt nicht nur den ersten bisherigen Nachweis dieses Vorgangs dar, sondern überraschte auch aufgrund ihrer Deutlichkeit.

Der Großteil des aus den Meerestiefen freigesetzten Methans wird im Wasser aufgelöst und trägt zur Versäuerung des Wassers bei, bevor es die Atmosphäre erreicht. Das Aufsteigen nach seiner Freisetzung aus Methanhydrat geschieht Etappenweise und ist nicht vorhersagbar.

„Falls sich dieser Vorgang an den arktischen Kontinentalrändern weiter ausbreitet, könnten bald dutzende Megatonnen Methan pro Jahr in den Ozean freigesetzt werden. Das entspricht bis zu zehn Prozent der weltweiten Gesamtmenge an diesem Treibhausgas, die jährlich durch natürliche Quellen freigesetzt wird“, warnt Forschungsleiter Graham Westbrook.

Gleichzeitig werden viele Gletscher nicht nur von oben abgeschmolzen, sondern bewegen sich auch schneller in Richtung Meer. Dies liegt vor allem daran, dass Schmelzwasser die Gletscher senkrecht durchdringt und unter dem Gletschereis praktisch einen Schmierfilm erzeugt, der den Gletscher leichter und damit schneller gleiten lässt.

Natürlich ist das alles kein Grund von einer Klimakatastrophe zu reden. Nicholas Stern der mit seinem Stern-Report „The Economics of Climate Change“ als erster die Kosten bezifferte, die die Welt aufwenden müsste um eine Klimakatastrophe zu verhindern, hat übrigen kürzlich gefordert dass nicht nur ein Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) für den Klimaschutz ausgegeben werden müssten, sondern aufgrund der raschen Entwicklung nun schon zwei Prozent notwendig sind und diese Maßnahmen über die nächsten Jahrzehnte greifen müssten.

Quelle: Netzwerkpartner Duckhome

Quelle Bild: von Juergen Kurlvink via Flickr CC Lizenz

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