von Zbigniew Menschinski | Readers Edition | – Talibans kapern in der Nähe von Kundus einen Tanklastzug. Auf ihrer Flucht bleiben sie in der Nähe eines Dorfes stecken und verschenken das erbeutete Benzin an die Bevölkerung. Dann kommen die Kampfbomber. Angefordert von einem Bundeswehrkommandeur.

Manche Mitbürger sehen sehr bieder aus. Sie tragen perfekt gebügelte Sakkos und perfekt gebügelte Sprüche. So wie Verteidigungsminister Franz-Josef Jung. Sie könnten im Kirchenchor mitsingen – und tun es wohl auch.

Eigentlich, so könnte man meinen, ganz harmlose Gesellen, nette Nachbarn, von denen man auch einen Gebrauchtwagen kaufen würde, – wenn, ja, wenn – da nicht hin und wieder so ein falscher Ton in der
Stimme wäre.

1999 organisierte Franz Josef Jung den ausländerfeindlichen Landtagswahlkampf von Roland Koch, unter anderem mit rund einer Million DM Schwarzgeld. So festgestellt und nachgewiesen durch das hessische Wahlprüfungsgericht.

Von 1987 bis 1991 war Franz-Josef Jung Generalsekretär der hessischen CDU. In diese Zeit fallen die angeblichen jüdischen Vermächtnisse zugunsten der Union in Höhe von knapp 4 Millionen DM, die Unterschlagungsaffäre Reischmann. Der Buchhalter der CDU wusste von schwarzen Kassen, die unter anderem von Ferrero Küsschen reich befüllt wurden. Jungs Verwicklung in den Reischmann-Skandal führte schließlich im September 2000 zu seinem Rücktritt. Ein Bauernopfer für die Partei. Dafür wurde er fünf Jahre später durch das Amt des Bundesverteidigungsministers belohnt.

Als das Östereichische Fernsehen am 4. September 2009 gegen 10:00 Uhr auf seiner Internetseite (orf.at) davon berichtet, dass bei einem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff im Gebiet um Kundus/Afghanistan auch viele Frauen und Kinder getötet worden seien, erzählen die tonangebenden Medien in der Merkel-Republik (FOCUS, ARD, WELT, SPIEGEL,ZDF) von circa 50 getöteten Terroristen und “vermutlich” keinen Opfern unter der Zivilbevölkerung.

Vor allem DER SPIEGEL und DIE WELT (quasi die Presseorgane der grossen Koalition) stellen den Angriff als Notwehrakt dar, präsentieren deutsche Soldaten vor Militärjeep oder mit Sturmgewehr in Kämpferpose. “Taliban ziehen die Bundeswehr in ihren Terror-Krieg” lautet die Schlagzeile des Springer-Flaggschiffs.

Inzwischen hört sich das alles etwas anders an.

Zumindest DIE ZEIT müht sich auf deutschem Boden noch um Objektivität. Erst vor wenigen Tagen hatte ihr Korrespondent vor Ort, Ulrich Ladurner, den Abzug fremder Truppen aus Afghansitan gefordert. Nun berichtet das Blatt: “Doch als die Jets zum Angriff übergingen, da bastelten die Taliban nicht an Sprengsätzen, sie verschenkten das Benzin an die Bevölkerung eines Dorfes.

Franz-Josef Jung nimmt es mit der Wahrheit und dem Grundgesetz nicht so genau.

Vor und während des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm befiehlt sein Ministerium “Aufklärungsflüge” zweier Tornado-Kampfflugzeuge über den Köpfen zeltender Protestierer. Treffender wäre es von Einschüchterungsflügen zu sprechen. Ein grundgesetzwidriger Einsatz im Innern, so meint u.a. Daniel-Erasmus Khan (Völkerrechtsprofessor an der Universität der Bundeswehr München), da ein solcher Einsatz nach Artikel 35 des Grundgesetzes nur bei Naturkatastrophen oder Unglücksfällen verfassungskonform sei.

Doch Franz-Josef Jung schert sich – wohl aus alter Gewohnheit – nicht sonderlich um Gesetze und Verfassung. Am 7. Juni 2006 erklärt der Verteidigungsminister und enge Roland-Koch-Vertraute, dass er trotz eines gegenteiligen Urteils des Bundesverfassungsgerichts Passagierflugzeuge durch die Bundesluftwaffe abschießen lassen würde, wenn diese entführt worden seien und die Gefahr eines Angriffs bestünde.

Sehr gut möglich, dass die zur Schau gestellte Rambo-Haltung seines Dienstherrn auf den Bundeswehrkommandeur abgefärbt hat, der den verheerenden Luftangriff anforderte. Zumindest steht fest, dass Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sicher nicht als Musterbild eines korrekten und besonnenen Menschen gelten kann.

„Mehr Kriegspropaganda, bitte!“ forderte Mariam Lau (früher taz, heute Chefkorrespondentin der WELT) am 25.Mai 2007 nach dem tödlichen Anschlag auf drei deutsche Soldaten in einem Leitartikel. Ihre Kollegen in den einschlägigen deutschen Massenmedien von SPIEGEL bis WELT, von ARD bis ZDF scheinen sich an den Appell zu halten.

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Quellennachweis für diesen Beitrag:Readers Edition – Dieser Beitrag steht unter einer CC-Lizenz.

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