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AUTOR: Hamid BEHESCHTI ÍãíÏ ÈåÔÊí

Das Problem liegt darin, dass die Sicherheitsorgane und die Justiz im Iran, die dabei die zentrale Rolle spielen, den Angehörigen der Häftlinge Sand in die Augen streuen. Man will doch wissen, wer sind denn die Ermordeten und wer die Inhaftierten. Aber die Sicherheitsorgane und die Justiz sehen sich dabei als nicht verantwortlich.

Jeden Tag und jede Woche werden neue Leute verhaftet und manchmal hört man auch von neuen Entlassungen. Aber niemand weiß genau, wer alles hinter Gittern verschwunden ist. Und um so brennender wird das Problem, da manche in den Gefängnissen ihr Leben verlieren. Und bei der Auseinandersetzung wissen wir, die Informationen hierüber zusammentragen nicht, welche Namen auf Inhaftierten- und Ermordetenlisten zu setzen und stehen zu lassen. Denn vielleicht ist der eine oder der andere inzwischen freigekommen. Wir müssen uns von überall her und aus allen Internetseiten die Namen zusammensuchen. Denn mal hier, und mal dort finden sich ein paar Namen von neuen Inhaftierten, Entlassenen oder gar Ermordeten. Und dabei ist die wichtigste Sache der Welt, das heißt das Menschenleben in der Auseinandersetzung nichtig geworden.

Politische Gruppen, die Informationen über Inhaftierte veröffentlichen und Internetseiten mit Informationen darüber sind überhaupt nicht in der Lage, ein klares Bild von dem Gegenstand zu liefern und so verliert in der Auseinandersetzung zwischen der Regierung und dem Volk das Menschenleben sein Wert.

Wer hier sein Leben aufs Spiel setzt, sei selber schuld, sagen die Gefängniswärter zu Häftlingen. Junge Menschen, die die Umstände nicht mehr ertragen, und immer mal bei ihren Protestaktionen auf den Straßen festgenommen oder direkt von zu Hause abgeholt werden, Landen hinter Gittern von Kerkern, die niemand kennt.

Was ist aber hierbei unsere Aufgabe? Sollen wir immer wieder neue Namen auf Inhaftierten- und Ermordetenlisten setzen? Weder die Regierung und ihre Sicherheitsorgane noch die Justiz legen wert auf das Leben dieser Menschen. Wer soll sie aber beschützen?
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Die wichtigste Sache der Welt, d.h. das Menschenleben kann ohne klärende Information nicht gerettet werden. Die Verantwortlichen kümmern sich nicht darum, die Angehörigen der Inhaftierten und Vermissten zu informieren und so zwingen sie dazu, selber nach ihnen zu suchen.

In Anbetracht dessen zieht mancher Beobachter die Konsequenz für sich daraus und rettet seine eigene Haut. Recht haben sie. Niemand kann von Ihnen erwarten, ihr Leben zu riskieren, in die Schlägerei zu geraten, Knüppelschläge zu bekommen, festgenommen und gefoltert zu werden. Andere, die das ganze nicht mehr aushalten und sich nicht für dumm verkaufen lassen wollen, haben auch das Recht, Widerstand zu leisten. Warum sollen sie denn das trübe Leben unter Diktatur aushalten.

Unter solchen Umständen soll jeder für sich entscheiden, wie er sich verhält und nach seinen eigenen Möglichkeiten seinen Widerstand gegenüber der Diktatur gestaltet. Die Justiz soll aber nicht in Ruhe gelassen werden. Sie soll nicht im Glauben bleiben, dass man sie in Ruhe lässt. Alle müssen sich immer wieder an die Justiz wenden und fragen, was mit den Häftlingen geschieht. Entweder stützt sie das Gesetz und hilft den Menschen zu ihrem Recht oder sieht sie ein, dass ihr Existenz obsolet geworden ist.

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Quelle: Der Autor

Originalartikel veröffentlicht am 13.08.2009

Über den Autor

Hamid Beheschti ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Text kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8347&lg=de

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