images1Von Klaus Fischer

Happy-End beim Unternehmen Größenwahn: Familienkonzern einigt sich mit Kreditgebern auf langfristiges Finanzierungskonzept.

Milliardäre dürfen hierzulande nicht pleite gehen. Dies mag die kreditgebenden Banken bewogen haben, einer Umschuldung der Verbindlichkeiten des Familienkonzerns Schaeffler zuzustimmen. Die Firmengruppe habe sich mit ihren fünf Konsortialbanken auf ein grundsätzliches Finanzierungskonzept verständigt, verkündete das Unternehmen am Dienstag.

Demnach werden die Kreditverbindlichkeiten von rund zwölf Milliarden Euro in zwei Tranchen aufgeteilt. Der für das operative Geschäft vorgesehene Kredit habe eine Laufzeit von maximal 4,5 Jahren, der andere bleibe bei der Holding und laufe bis zu sechs Jahre.

Die Finanzierung der Gruppe sei damit für die nächsten Jahre nachhaltig gesichert, erklärte Schaeffler. Zugleich sei die Umwandlung des Familienunternehmens in eine kapitalmarkt­orientierte Struktur vorgesehen. Mit dem Konzept werde eine weitere wichtige Voraussetzung für eine mögliche Zusammenführung des fränkischen Herstellers mit der Continental AG erfüllt, sagte Finanzvorstand Klaus Rosenfeld.

Damit scheint das Projekt Größenwahn der Schaefflers doch noch aufzugehen – die versuchte feindliche Übernahme des deutlich größeren Hannoveraner Automobilzulieferers. Die Firmenbesitzer Georg F. W. Schaeffler und dessen Mutter Maria-Elisabeth hatten mit Hilfe ihrer Geldgeber, allen voran der Commerzbank, unbemerkt von der Börse und gegen die Prinzi­pien der Transparenz bei börsennotierten Unternehmen, heimlich Conti-Aktien gekauft.

Nachdem mehr als genügend Anteilsscheine durch die Geldhäuser beschafft waren, versuchte der Clan, die Macht beim aufgekauften Konzern zu übernehmen. Allerdings verhob sich das Familienunternehmen mit der Finanzierung und häufte exorbitante Schulden auf. Diese müssen, nach der nun erfolgten Einigung mit den Banken, wohl von den Beschäftigten abgearbeitet werden. Eine entsprechende »Spar«-Vereinbarung wurde kürzlich zwischen Gewerkschaften, Betriebsräten und Konzern abgeschlossen.

In der vergangenen Woche hatte Schaeffler durchgesetzt, daß Conti-Vorstandschef Karl Thomas Neumann gehen mußte. Der hatte sich, obwohl bereits von ihr auserwählt, für die Familie offenbar als schwer lenkbar erwiesen. An dessen Stelle trat der bisherige Schaeffler-Manager Elmar Degenhart, der nun, auch mit emsiger Hilfe von Gewerkschaften und Betriebsräten, als »unabhängiger« Konzernchef Continentals vorgeführt wird.

Das Familienunternehmen hält derzeit knapp unter 50 Prozent der Conti-Aktien. Weitere 40 Prozent, die dem Konzern nach seinem Übernahmeangebot im vergangenen Jahr angedient wurden, werden von Banken verwaltet.
Zwar sieht eine sogenannte Investorenvereinbarung zwischen Schaeffler und Conti vor, daß der fränkische Konzern in den kommenden Jahren seine Beteiligung an Conti nicht auf über 50 Prozent ausbauen darf.

Allerdings muß nach den unappetitlichen Aktionen der Vergangenheit (heimliche Aktienkäufe, Neumann-Ablösung etc.), die sich stets in der Grauzone des Erlaubten bewegt hatten, gezweifelt werden, ob sich Schaeffler tatsächlich daran hält.

Was die geldgebenden Banken bewogen haben mag, die eigentlich auf ganzer Linie mißglückte feindliche Übernahme weiter zu finanzieren, bleibt wohl deren Geheimnis. Vielleicht hat sich kein Käufer für die beiden hochverschuldeten Unternehmen gefunden, die zudem in einer Krisenbranche tätig sind. Um seine ausgereichten Milliardenbeträge zu retten, setzt Commerzbank-Chef Martin Blessing offenbar auf die Flucht nach vorn. Wie erfolgreich die Umschuldung und wie »harmonisch« die Integration Continentals in das Familienreich jedoch sein wird, bleibt abzuwarten.

Die brachiale Art, mit der Schaeffler zuletzt wieder bei Continental vorgegangen war, hat offenbar die Ratingagenturen alarmiert. Standard & Poor’s stufte Ende vergangener Woche die Kreditwürdigkeit von Conti auf »B+« herab. Damit verteuert sich der Schuldendienst für den Konzern um bis zu 50 Millionen Euro im Jahr, wie das Handelsblatt am Dienstag berichtete. In dem Beitrag wird ein Sprecher der Ratingagentur mit den Worten zitiert: »Die Schritte spiegeln unsere Besorgnis wider über den Einfluß von Schaeffler auf die Strategie und Kreditqualität von Conti nach dem Managementwechsel.«

Quelle: Junge Welt

Quelle Bild: Firmenverzeichnis.de

Dank an meinpolitikblog für den Hinweis auf diesen Artikel!

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