Jochen Hoff | Duckhome | – Fast möchte man der Brigitte Zypries, den Satz aus Schillers Bürgschaft zurufen: „Zurück! du rettest den Steinmeier nicht mehr“. Aber es ist schon zu spät.

Zypries hat Robert Nicholson, dem kanadischen Justizminister ein Fax geschickt und dieser hat reagiert und Schreiber wurde am Sonntag Abend in Toronto in ein Flugzeug nach Deutschland gesetzt, wo er gestern Vormittag ankam. Nun haben wir Schreiber und Schäuble den Salat.

Wie Schreiber selbst vermutete, ist das die große Chance der SPD im Wahlkampf noch mal zu punkten, aber es wird nicht klappen. Schon die ersten Pressemeldungen am Sonntag zeigten wohin die Reise in der Systempresse gehen sollte. Der 83 jährige Walther Leisler Kiep wird in der Parteispendenaffäre genannt, der Name Wolfgang Schäuble, fehlt fast vollständig und im übrigen geht es nur um die Steuerhinterziehung des Karlheinz Schreiber. Die Systempresse weiß worüber sie nicht schreiben darf.

Tatsächlich sollte sich Schreiber weniger Sorgen um den Wahlerfolg der CDU/CSU machen, als um sich selbst. Der Innenminister hat in Deutschland alle Macht und wie schon 2007 muss man auch jetzt um Schreibers Leben fürchten. Da erscheint es dann schon eher lustig, wenn Frau Zypries den Kanadiern versichert, dass eine kürzlich erfolgte Gallenoperation Schreibers, kein Problem darstelle und das in deutschen Haftanstalten alles getan werde um den Gesundheitszustand von Schreiber zu erhalten.

Den schwarzen Peter hat nun die Staatsanwaltschaft Augsburg. Ursprünglich sollte sie im Rahmen der Maxwell-Affäre, ein internes Aufräumen in der CSU, mit der Hinterlassenschaft von Franz Josef Strauß unterstützen. Dazu dienten halbseidene Beweise und viele Vermutungen, die aber letztendlich vor dem Landgericht Augsburg keinen Bestand hatten. Max Strauß wurde freigesprochen.
Noch seltsamer war das Verfahren um Ludwig-Holger Pfahls, der von Schreiber rund 1,9 Millionen Euro, vermutlich als Bestechungsgeld erhalten hatte:

Ludwig-Holger Pfahls befand sich sogar fünf Jahre auf der Flucht, auf der unter den seltsamsten Umständen Unterstützung erhielt, um dann in einem abgekarteten Spiel für die 1,9 Millionen Euro die er bekommen hatte, vom Landgericht Augsburg zu 2 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt zu werden.
Unnötig zu sagen, das er die Haft bereits einen Monat nach seiner Verurteilung verlassen konnte. Damals hatte er nach Rechnung des Gerichtes unter An-rechnung der Untersuchungshaft, die Hälfte seiner Strafe verbüßt. Es lässt sich leider nicht beweisen, das dieses Gericht wohl eher eine Belohnung dafür aus-sprechen wollte, das Pfahls nichts, über die anderen Mitakteure wie Schäuble, Kohl und die Familie Strauß gesagt hatte. Normalerweise wäre eine Freilassung nach zweidrittel der Haftdauer üblich gewesen.

Das gleiche wiederholte sich dann noch einmal als mit Dieter Holzer einer der Helfer von Pfahls vor Gericht musste, der wohl auch die Schnittstelle zwischen Bundesbehörden und Pfahls gebildet hat, aber auch im Schreiber Geschehen involviert war.

Es ist mittlerweile ein schier undurchdringliches Geflecht aus Strafverfahren, Gerüchten und Halbwahrheiten, das sich um die Machenschaften des Geschäftsmannes Karlheinz Schreiber rankt. Die jüngste Verzweigung ist die Verurteilung des Lobbyisten Dieter Holzer, gegen den das Augsburger Landgericht am Donnerstag wegen Strafvereitelung eine Freiheitsstrafe von neun Monaten verhängt hat, die zur Bewährung ausgesetzt wurde; außerdem soll er 250 000 Euro zahlen.

Bei so gut abgesicherter Gemengelage stört die unfreiwillige Rückkehr Schreibers erheblich. Es gibt nur drei Varianten. Entweder stirbt Schreiber schnell oder er macht einen Deal mit der Staatsanwaltschaft, bei dem diese ihr Gesicht vollständig verlieren würde. Es wäre der Lacher der Nation wenn Schreiber kurz nach der Wahl mit einer Bewährungsstrafe nach Kanada zurückfliegen würde.

Bleibt die Staatsanwaltschaft hart, dürfte sie damit Schreibers Rachegelüste bis ins unendliche steigern. Schließlich waren es ja genau die Politiker, die ihn heute hängen lassen, denen er damals die Kohle hingeschoben hat und die auch freudig nahmen. Schreiber hat das Wissen um der CDU/CSU schwersten Schaden zuzufügen. Wenn auch ein Großteil der Leute heute nicht mehr aktiv dabei ist, wären Leute wie Schäuble der ja mindestens 50.000 Euro in bar bekam, nicht mehr zu halten und Schäubles Verschwörungstheorien, würden sich als das entpuppen, was sie wirklich sind. Selbstschutz gegen eine ordentliche Strafverfolgung.

Der SPD wird das aber alles nichts nutzen. Bis zur Wahl bleibt Schreiber in Untersuchungshaft. Erst danach wird man sich mit ihm beschäftigen. Das bedeutet, dass sich Schäuble erst einmal retten kann. Er und andere werden aufatmen. Aber irgendwann wird man Schreiber vor Gericht stellen müssen. Es bleibt spannend.

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Quellennachweis für diesen Beitrag: Netzwerkpartner – Jochen Hoff von Duckhome. Vielen Dank Jochen !

Dank an Netzwerkpartner Womblog [Worte oder mehr] für den Hinweis auf diesen Artikel.

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