Zitat
I don’t have any formula for ousting a dictator or building democracy. All I can suggest is to forget about yourself and just think of your people. It’s always the people who make things happen.

(Corazón Aquino)

Eine „Ikone der Demokratie“ ist tot. Die ehemalige philippinische Präsidentin Aquino ist im Alter von 76 Jahren gestorben.

Die frühere Präsidentin Corazon Aquino ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Überall im Land beteten ihre Anhänger. Aquino galt als Ikone der Demokratie auf den Philippinen und wurde als Befreierin von der Marcos-Diktatur verehrt.

Die amtierende Präsidentin Gloria Arroyo sagte: „Die Last der Geschichte ist auf sie gefallen, als ihr Ehemann, ein Kämpfer für die Demokratie, ermordet wurde. Sie hat die Fahne von dem gefallenen Soldaten aufgenommen und hat unsere Nation in bessere Zeiten geführt. Ich erkläre hiermit eine zehntägige Staatstrauer. Unsere Herzen sind jetzt mit der Familie Aquino, unsere Nation betet für Cory und ihre Angehörigen.“

Die ehemalige Hausfrau war nach dem Volksaufstand gegen Diktator Ferdinand Marcos von 1986 bis 1992 Präsidentin der Philippinen. Ihr Mann, Benigno Aquino, war ein prominenter Marcos-Gegner. Er war 1983 bei seiner Rückkehr aus dem Exil auf dem Flughafen von Anhängern des Diktators erschossen worden. Nach dem Mord wuchs der Widerstand gegen Marcos bis zu seinem Umsturz. Nach einem Volksaufstand unter Führung von Corazon Aquino flohen Marcos und seine Familie ins Exil nach Hawaii. Danach wurde Aquino zur ersten Präsidentin in einem asiatischen Land gewählt.
Auch international genoß Aquino hohes Ansehen. Das US-Nachrichtenmagazin „Time“ machte sie 1986 zur „Frau des Jahres“, 1987 wurde sie für den Friedensnobelpreis nominiert. US-Außenministerin Hillary Clinton würdigte das Verdienst der früheren philippinischen Präsidentin: „Ich bewundere sie. Sie war eine Frau mit großem Mut, die ihr Land sehr geliebt hat. Sie und ihre Familie haben viel geopfert, um dem Volk der Philippinen eine bessere Zukunft zu geben. Sie ist eine Inspiration, nicht nur für die Philippinen, sondern für alle Menschen, die an die richtigen Werte glauben und an eine positive Zukunft.“
US-Präsident Barack Obama erklärte: „Ihr Mut, ihre Entschlossenheit und ihr moralischer Führungsstil sind eine Inspiration für uns alle und sind ein Beispiel für die philippinische Nation.“

Erst nach der Krebsdiagnose im März 2008 zog Aquino sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Bis dahin beteiligte sie sich an Straßenprotesten gegen die Korruption in der Regierung. Mehrfach forderte sie den Rücktritt ihres einstigen Schützlings Gloria Arroyo, deren Präsidentschaft von mehreren Skandalen erschüttert wurde. Vor gut einem Monat wurde Aquino wegen Appetitlosigkeit und starken Gewichtsverlustes ins Krankenhaus eingeliefert worden. Laut einer Sprecherin der Familie lehnte die Ex-Präsidentin zuletzt jede medizinische Behandlung und eine Chemotherapie ab. Ein Staatsbegräbnis soll es jedoch nicht geben. Die Familie von Corazon Aquino will eine Beisetzung im engsten Familienkreis.

Biografie
Am 21. August 1983 kehrt der beliebte Oppositionspolitiker Benigno Aquino aus dem Exil in die Heimat zurück. Er hofft, endlich Ferdinand Marcos ablösen zu können, der die Philippinen mit unglaublicher Raffgier während einer bald 20-jährigen Diktatur ausgepowert hat. 12 Minuten nach der Landung wird »Ninoy« noch auf dem Flugfeld durch einen gezielten Schuss in den Hinterkopf getötet. Corazón Aquino, Mutter von fünf Kindern, ist Witwe.
Nach anfänglichem Zögern und Rückzug in ein Kloster erklärt sie sich bereit, die Führung der zerstrittenen Opposition zu übernehmen. »Cory« wird zur Hoffnungsträgerin einer gewaltigen Volksbewegung, der »people’s power«, als »Gelbe Madonna« (Gelb ist ihre Lieblingsfarbe) von den Menschen geradezu angebetet. Auf zahlreichen Versammlungen beschwört sie die Erinnerung an ihren ermordeten Mann; Gerechtigkeit und die Erfüllung seines Vermächtnisses sind ihr Wahlprogramm.
Im Februar 1986 finden die Wahlen statt, Marcos und Aquino reklamieren beide den Sieg für sich. Schließlich kann Aquino sich durchsetzen: die katholische Kirche unterstützt sie; Verteidigungsminister Enrile und Teile des Militärs wechseln über in ihr Lager; die USA signalisieren, dass sie den greisen Diktator fallen lassen wollen. Ferdinand und Imelda Marcos, schwer beladen mit ihren Reichtümern, verlassen das Land in Richtung Hawaii.
Aquinos Augenmerk gilt der Wiederherstellung demokratischer Strukturen – die Pressezensur wird aufgehoben, eine neue Verfassung verabschiedet, politische Gefangene werden amnestiert. Die großen Probleme des Inselstaates kann sie aber nicht lösen: Die Wirtschaft erholt sich nur zögernd; eine dringend nötige Bodenreform scheitert am Widerstand der Großgrundbesitzer (zu denen ihre eigene Familie gehört); Geburtenkontrolle steht in dem tiefkatholischen Land, trotz der sagenhaften Bevölkerungsexplosion, außer Diskussion; bewaffnete Konflikte mit maoistischen Rebellen und einer Guerilla, die für die Abspaltung des muslimisch dominierten Südens kämpft, destabilisieren die politische Lage.
Nach sechs Jahren, in denen sie mehrere Putschversuche des Militärs übersteht, scheint Corazón Aquino fast erleichtert, das Amt an ihren Nachfolger Fidel Ramos abtreten zu können. Seitdem engagiert sie sich länderübergreifend für den Demokratisierungsprozess in Asien – z.B. durch Unterstützung der burmesischen Menschenrechtlerin Aung San Suu Kyi.
Dass eine Frau das Land regieren kann, hat sie dauerhaft unter Beweis gestellt: Gloria Arroyo, von Cory Aquino 1987 zur Unterstaatssekretärin für Handel und Industrie berufen, ist seit 2001 Präsidentin der Philippinen.

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