Artikel auch veröffentlicht unter readers edition mit einer interessanten Diskussion.

In unseren Städten begegnen sie uns täglich. Schnorrend, bettelnd, oft versuchen sie uns ihre Obdachlosenzeitung zu verkaufen.
Die Obdachlosen.

Mir persönlich sind sie in den letzten Jahren nicht mehr gravierend aufgefallen. Sie gehören einfach zum Stadtbild. Meistens waren es auch immer die selben Gesichter.

Aber halt!
In den letzten Monaten viel mir auf, dass zunehmend neue Gesichter hinzukommen. Junge, Alte und auch viele Frauen. Das gab mir zu denken und ich wollte etwas mehr über sie erfahren.
Alleine in Berlin schätzt man, dass es cirka 10.000 Wohnungslose gibt, in Hamburg um die 1.300. Diese ungefähren Zahlen sind aus dem Jahre 2002. Heute dürften die Zahlen erschreckender sein. Man schätzt, dass es
heute in Deutschland 1 Millionen gibt.

Wie wird man eigentlich wohnungslos?
Oft beginnt es mit dem Verlust der Arbeit, die Partnerschaft zerbricht, man kann die Mietschuld nicht mehr begleichen und bekommt als Konsequenz die Aufkündigung des Mietverhältnisses. Man landet auf der Straße.
Obdachlose sind oft ohne Schutz, ohne Freunde und meistens habens sie ihr Selbstbewusstsein eingebüßt.
Sie resignieren und finden sich mit ihrer Situation ab und finden nicht mehr die Kraft gegenzusteuern.

Wie wird man obdachlos?
Meistens meistens führt nicht nur ein Grund in die Obdachlosigkeit. Es ist ein ganzes Konglomerat
aus Arbeitslosigkeit, Verschuldung, zu teurer Wohnraum, Kindheitstraumata, oft Alkohol und Drogenprobleme, Partnerschaftskrise und fehlender sozialen Unterstützung durch Verwande und Freunden. Potenziert wird
es meist noch durch juristische und polizeilichen Komplikationen.

Die meisten kommen aus sozial schwachen Familien. Es gibt mittlerweile aber auch Akademiker
die betroffen sind. Hierzu gehören ehemalige Professoren und Mediziner. Durch berufliche Überforderung
war der Weg für sie über Alkohol und Drogen nicht mehr weit bis auf die Straße.

Die politisch Verantwortlichen versuchen natürlich zu helfen, mit Notunterkünften, Suppenküchen usw. ,
aber viele Obdachlose haben resigniert und sich mit ihrer Rolle am Rand der Gesellschaft abgefunden.
Sie haben oft einfach nicht mehr die nötige Kraft in ein normales Leben zurückzukehren.

Seit der Reform des SGB II nimmt die Zahl der Obdachlosen zu. Darin wurde die Mietschuldübernahme neu geregelt.
Es ist zum Beispiel nicht mehr möglich, als Erwerbstätiger wenn man nicht im Leistungsbezug des SGB II steht,
Mietschuldenübernahme zu beantragen. Dieser Personenkreis macht cirka 40% der von Wohnungslosigkeit bedrohten aus. Wird dennoch Mietschuld übernommen, dann nicht mehr als Beihilfe sondern als Darlehen.
Die Überschuldung von Haushalten wird zunehmen. Und damit auch die Aufkündigungen von Mietverhältnissen.

Ich werde in Zukunft Obdachlose nicht mehr übersehen und werde das Gespräch mit ihnen suchen. Auch werde ich dieses Thema in meinem Umfeld öfter ansprechen. Ich denke, dass man in unserem Staat nicht obdachlos sein muss.

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