Mein Großvater war die größte Bezugsperson in meiner Teeniezeit, in der es zum Bruch mit meinen Eltern kam.
Er war immer für mich da, hörte mir zu und hatte meistens einen passenden Rat.

Er war Soldat im 2.Weltkrieg.
Sturmpionier.
In Stalingrad.
Er erzählte wenig von seinen Erlebnissen jener Zeit.
Er konnte es nicht.
Zu schlimm müssen die Erlebnisse gewessen sein.

Eine Geschchte hat er mir erzählt.
Diese möchte ich hier kurz an euch weiter geben.

Eines abends, es war Spätherbst, ging er zum Spatengang in einen kleinen Birkenwald.
Toiletten gab es dort an der Front nicht.
Er bemerkte, dass cirka 5m neben ihm im Halbdunkeln ein anderer ein Loch buddelte.
Wohl auch zum Spatengang.
Beide waren gleichzeitig mit dem Graben fertig zogen die Hose runter und gingen in die Hocke.
Der Andere sprach Opa an.
Auf russisch!
Es war ein Feind.
Da Großvater nicht antwortete, merkte der Russe sehr schnell, dass hier was nicht stimmte.
Trotz des Riesenschreck für beide, blieben sie ruhig.
Sie verrichteten ja auch ihr Geschäft.
Beide waren gleichzeitig fertig. Sie zogen sich an.
Allerdings, ohne den anderen aus den Augen zu lassen.
Sie gruben ihre Löcher zu.
Großvater, der ein paar Brocken russisch konnte, sprach eine Grußformel.
Der Russe erwiderte den Gruß in gebrochenem Deutsch
Dann gingen sie getrennte Wege.

Einige Tage, später wurde Großvater durch einen Streifschuß im Nacken schwer verwundet.
Er wurde ausgeflogen und der Krieg war für ihn beendet.
Keinen seiner Kameraden hat er wiedergesehen.

Ich erinnere mich gerne an diese Geschichte.
Denn es ist eine Erinnerung an eine liebe Person aus meinem Leben.

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