Wahre Geschichte zum Thema Stalking

Eine liebe, junge Kollegin leidet unter Stalking eines ehemaligen Mitkollegen.
Die Umstände warum es so weit kommen konnte, kenne ich nicht und gehen mich wahrscheinlich auch nichts an.
Aber es beschäftigt mich und alle meine Kollegen sehr.

Die gewalttätigen Aktionen begannen, als sie Vetretung für eine Nachtschicht machen musste.
An ihrem Auto wurde in dieser Nacht auf brutalste Art die Spiegel und die Scheibenwischer abgerissen.
Die Überwachungskamera konnte allerdings den Täter nicht eindeutig überführen.
An der Körperhaltung konnten wir ihn identifizieren, was allerdings für eine polizeiliche Verfolgung nicht ausreichte.
Wir überlegten, mit ihm zu sprechen.
Kamen aber zu der Überzeugung, dass er noch wütender wird.

Dann kam der Super-GAU.

Als sie zwei Wochen später eine Spätschicht hatte, sah sie ihn wutendbrannt auf die Station zukommen.
Reflexartig bediente sie die Türnotschließung.
Mit einem Gegenstand schlug er die Glastür ein und stürmte in den Laden.
Dort zerschlug er alle Regale. Sie hätte an ihm vorbei gemusst, um zu flüchten.
Dann ging er auf sie los und versuchte sie aus dem Laden zu zerren.
Wahrscheinlich um sie in sein Auto zu zwingen.
Sie konnte sich losreissen und rannte aus der zerstörten Tür hinaus wobei sie sich Schnittverletzungen an den Füßen zuzog, da sie bei dem Gerangel ihre Schuhe verlor.
Vor der Station ist eine Ampel, sie sprang bei einem dort wartendem Mann ins Auto, der geistesgegenwärtig die Lage erkannte und direkt zur Polizei fuhr.

Der Stalker wurde kurze Zeit später verhaftet und für sechs Wochen in psychiatrische Behandlung überstellt.
Als Auflage darf er sich ihr nicht näher als 20 Meter nähern.

Ob das hilft?
Wir haben da unsere Zweifel.

Welche Qual sie nun mitmacht, könnt ihr euch vorstellen.
Zukünftig sorgen wir dafür, dass sie zumindest auf der Arbeit keine Minute mehr alleine ist.

Wie ein Jäger sammelt ein Stalker Informationen über sein Opfer, um es stellen zu können. Dabei sind aber nicht nur die einzelnen, nachstellenden Handlungen des Täters von Bedeutung, sondern im Besonderen das psychologische Verhältnis zwischen Täter und Opfer. Das unterscheidet das Stalking von anderen, die Selbstbestimmung eines Menschen einschränkenden Handlungen.

Auch wenn jeder Mensch Opfer von Stalking werden kann und sich Opfer und Täter nicht notwendigerweise kennen müssen, sind nach bisherigen Erkenntnissen am häufigsten Personen betroffen, die eine Beziehung oder Ehe mit dem Täter beendet oder einen Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen haben.

Berufsgruppen mit Kundenverkehr, Patienten oder Klienten können Opfer eines Stalkers werden, wenn dieser sich selbst als Opfer einer Beratung, einer Behandlung oder eines Rechtsstreites oder ähnlichem sieht. Ebenso können Konkurrenten in einer speziellen Sparte oder Rivalen, die eine Niederlage nicht verkraften, zu Stalkern werden. Auch wenn das Phänomen des Stalkings bei Prominenten zuerst aufgefallen ist, so scheinen diese nicht die Mehrheit der Opfer auszumachen.

Täter scheinen meist ehemalige Beziehungspartner oder abgewiesene Verehrer zu sein, aber auch Arbeitskollegen und Nachbarn befinden sich häufig darunter. In einigen Fällen ist dem Opfer der Täter aber überhaupt nicht bekannt und gehört auch nicht zum näheren persönlichen, beruflichen oder wohnlichen Umfeld. In manchen Fällen spielt das Phänomen der Übertragung eine Rolle, wenn ein Täter für empfundene seelische oder körperliche Verletzungen ein Opfer stellvertretend büßen lässt, weil es bestimmte Merkmale aufweist, die für ihn im Bezug zum eigenen Schicksal stehen. Ein Teil der Täter weist erhebliche psychische Erkrankungen auf, wobei das Stalken selbst kein anerkanntes Krankheitsbild darstellt.

Zu Geschlecht und sozialer Herkunft typischer Stalking-Täter und Opfer gibt es bislang nur erste, nicht repräsentative Studien. Anhand derer Ergebnisse wird vermutet, dass in der überwiegenden Mehrheit der leichteren Stalkingfälle (die etwa 97 % ausmachen) Männer als Täter gegenüber Frauen nur leicht überwiegen (60:40). In den etwa 3 % ausmachenden schweren Stalkingfällen, in denen es zur Anwendung körperlicher Gewalt kommt, sollen Männer als Täter dominieren und Frauen mit über 80 % die Mehrheit der Opfer sein. Nach einer US-amerikanischen Studie wurden acht Prozent der amerikanischen Frauen und zwei Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens schon einmal von einem Stalker verfolgt.

Bei der Interpretation dieser Zahlen sind jedoch die Schwierigkeiten der empirischen Erfassung des Tatgeschehens zu berücksichtigen. Neben der fehlenden einheitlichen Definition des Stalking-Begriffes fällt es den Beteiligten an so genannten Beziehungstaten erfahrungsgemäß schwer, sich offen darüber zu äußern.

2006 wurde ein neuer Gesetzentwurf zum Stalking unter § 238 StGB im Bundestag eingebracht, der Ende 2006 im Bundestag und im Februar 2007 im Bundesrat verabschiedet wurde. Hier sind Freiheitsstrafen für die Täter bis zu 10 Jahren vorgesehen, je nach Auswirkung der Tat auf das Opfer. Durch eine Änderung des § 112a StPO (Wiederholungsgefahr als Haftgrund) wird ein besserer Schutz der Opfer möglich sein.

Der § 238 StGB lautet wie folgt:

(1) Wer einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich
1. seine räumliche Nähe aufsucht,
2. unter Verwendung von Telekommunikationsmitteln oder sonstigen Mitteln der Kommunikation oder über Dritte Kontakt zu ihm herzustellen versucht,
3. unter missbräuchlicher Verwendung von dessen personenbezogenen Daten Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen für ihn aufgibt oder Dritte veranlasst, mit diesem Kontakt aufzunehmen,
4. ihn mit der Verletzung von Leben, körperlicher Unversehrtheit, Gesundheit oder Freiheit seiner selbst oder einer ihm nahe stehenden Person bedroht, oder
5. eine andere vergleichbare Handlung vornimmt,
und dadurch seine Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Auf Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter das Opfer, einen Angehörigen des Opfers oder eine andere dem Opfer nahestehende Person durch die Tat in die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.
(3) Verursacht der Täter durch die Tat den Tod des Opfers, eines Angehörigen des Opfers oder einer anderen dem Opfer nahestehenden Person, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.
(4) In den Fällen des Absatzes 1 wird die Tat nur auf Antrag verfolgt, es sei denn, dass die Strafverfolgungsbehörde wegen des besonderen öffentlichen Interesses an der Strafverfolgung ein Einschreiten von Amts wegen für geboten hält.

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