Kindesentfremdung
Wenn Trennungskinder Entfremdungssymptome zeigen

Trennen sich die Eltern, sind die Leidtragenden oft die Kinder, die sich an die neue Situation erst einmal gewöhnen müssen. Natürlich haben dabei das Kind wie der Elternteil, der mit dem Kind fortan nicht in häuslicher Gemeinschaft lebt, das grundgesetzlich geschützte Recht, sich weiterhin zu sehen, Zeit miteinander zu verbringen. Nur so können die verwandschaftlichen Beziehungen aufrechterhalten und vertieft werden, um einer sonst eintretenden wechselseitigen Entfremdung vorzubeugen. Die Eltern sind dabei zu wechselseitigen loyalem Verhalten verpflichtet. Das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil soll weder beeinträchtigt noch soll die Beziehung erschwert werden.

 Leichter gesagt als getan, denn eine Trennung ist in der Regel nun einmal mit Emotionen verbunden. Emotionen und begründetes oder unbegründetes Misstrauen gegenüber dem anderen Elternteil lassen sich nicht immer unterdrücken und können alle guten Vorsätze, sich zum Wohle des Kindes zu verhalten, zerstören. Je größer die Konflikte, die emotionalen Probleme zwischen den Eltern sind, und je mehr das dazwischen stehende Kind davon mitbekommt, desto größer ist der Loyalitätskonflikt, in den das Kind gerät.

PAS – Elternfeindbild
Dies kann dazu führen, dass sich das Kind einem – in aller Regel dem betreuenden ; Elternteil zuwendet, den es als den „guten“ Elternteil idealisiert, während es den anderen unreflektiert ablehnt und aus seinem Leben streicht. Dabei ist das Verhalten des Kindes von einem hochgradigen Wahrnehmungsverlust getragen, der durch eine Solidarisierung
mit dem bewusst oder unbewusst die Trennung nicht verarbeitenden oder das Kind programmierenden Elternteil verursacht wird.
Diese Programmierung oder Steuerung kann schuldlos sein; sie kann aber auch gezielt stattfinden, indem zum Beispiel das Bild des anderen Elternteils im realen und übertragenen Sinne entfernt wird. Das Kind wird instrumentalisiert, um die eigenen emotionalen Bedürfnisse des betreuenden Elternteils zu befriedigen und dessen (negative) Emotionen
auszudrücken. Der Widerstand des Kindes gegen den anderen Elternteil wächst, bis hin zur vollständigen Ablehnung.

In der Fachliteratur nennt man dies Parenteal Alienation Syndrom – kurz PAS genannt – (=Elternfeindbild- Syndrom).

Kein Ausschluss des Umgangsrechts
Diese bewusste oder unbewusste Manipulation darf jedoch nicht dazu führen, dass das Umgangsrecht sowohl des Kindes als auch des anderen Elternteils ausgeschlossen wird. Der Ausschluss des Umgangsrechtes ist in erster Linie nur dann gerechtfertigt, wenn das Kind aus eigenen Motiven und eigener Überzeugung einen Umgang ablehnt und die Ablehnung objektiv nachvollziehbar ist. Ist die Ablehnung jedoch gerade nicht objektiv nachvollziehbar, kann das Umgangsrecht nicht ausgeschlossen werden.
Auch in Fällen von PAS ist die Ausübung des Umgangsrechtes in der Regel zum Wohle des Kindes erforderlich. Je nach dem Ausmaß der bereits eingetretenen Entfremdung mit dem anderen Elternteil und dem Kind, dass das Umgangsrecht zunächst auf die Form eines betreuten oder geschützten Umgangs im Beisein fachkundiger Personen beschränkt wird (so
auch OLG Zweibrücken, Beschluss vom 09.05.2005, Az. 6 UF 4/05), wobei die jedoch grundsätzlich nur vorübergehend gilt, es sei denn, dass andernfalls das Wohl des Kindes gefährdet wäre.
Den betreuenden Elternteil eine aktive Mitwirkungspflicht zur Förderung des Umgangs, denn eine vollständige Verdrängung
eines Elternteils aus dem Leben des Kindes ist langfristig weder richtig noch durchzuhalten.

Eine starre Haltung des betreuenden Elternteils spricht gegen dessen Erziehungseignung und kann zur Abänderung einer Sorgerechtsregelung
führen.
(OLG Frankfurt, Beschluss vom 03.09.2002 ; 1 UF 103/00).

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